Aus dem Offenburger Tagblatt vom 12.06.2026

Andreas Buchta
Wolfach / Wolftal

Klezmer-Abend begeistert Publikum

Die Klezmer-Band „Chotsch“ lieferte bei Mittwochs im Museum in Wolfach
ein faszinierendes Klezmer-Programm wie aus dem Bilderbuch.
Robert Dietrich (von links), Moise Schmidt und Winfried Holzenkamp aus Freiburg traten als Trio „Chotsch“ auf.
Foto: Andreas Buchta
Von Andreas Buchta
Wolfach . Ganz schön voll war es am Mittwoch in der Wolfacher Schlosshalle, als in der
Reihe Mittwochs im Museum das Freiburger Klezmer-Trio „Chotsch“ mit seinen
jiddischen Liedern und Geschichten auftrat. Die drei Klezmorim, das sind der Sänger,
Gitarrist und Schauspieler Moise Schmidt, der Klarinettist und Sänger Robert Dietrich
sowie Winfried Holzenkamp am Kontrabass und mit Gesang.
Unvermittelt legten die drei los mit „Shpil Zhe Mir A Lidele In Jiddisch“ mit der Klezmer-
Offenburger Tageblatt – Schwarzwald-Zeitung
typischen, mal schluchzenden, mal jauchzenden Klarinette, dem munter-brummigen
Kontrabass und der melodisch hinreißenden Gitarre samt jiddischem Gesang: ein
Einstieg in ein faszinierendes Programm. Und diese vom Klezmer und dem Jiddischen
ausgehende Faszination hielten die drei unvermindert aufrecht bis zum Schluss nach
zweieinhalb Stunden und darüber hinaus mit ihren Zugaben. Dabei schien ihnen ihre
eigene Faszination und ihr Vergnügen an den Liedern förmlich aus allen Knopflöchern
zu strahlen.
Bewundernswert, jeder auf seine Art, sind sie alle drei: Der sich in seinem
instrumentalen Übermut fast überschlagende Klarinettist, der in Klezmer-Manier sein
Instrument im fliegenden Wechsel schluchzen oder jauchzen ließ; der Bassist, der
seinem eher schwerfälligen Kontrabass scheinbar stoisch und mit verblüffender
Stimme erstaunliche Munterkeit verlieh; und der Gitarrist, der mit seinen „Lidele“ dem
Jiddischen sprachlichen Glanz verlieh: Zusammen eine Klezmorim wie aus einem Guss.
Dann kam, nach Moise Schmidts Begrüßung, mit dem flotten Tanzstück „Ershde Vals“
ziemliches Tempo in die Musik, gesteigert noch mit „Der Heyser Bulgar“. Mit
bewundernswerten mimischen und sprachlichen Qualitäten erzählte Moise,
wirkungsvoll und anschaulich von Bass und Klarinette unterlegt, eine von Siegfried
Lenz verfasste Geschichte von einem Wanderzirkus im Dorf, bei dessen Vorstellung
Absurdes und Menschliches schließlich zum Abbruch des Zirkus-Gastspiels führten. Mit
„Ani Ole Yerushalaim“ und „Trink Bruder“ wurde berauscht lallend die Pause
eingeleitet.
Nach der Pause bemühten sich die Musiker, dem Namen „Chotsch“ auf die Spur zu
kommen und einigten sich schließlich auf die Übersetzung „Glick“. Diesem Glück
widmeten sie sich musikalisch mit „Happy Nign“, um dann mit musikalischer
Unterstützung die nächste Geschichte „Schissomirs großer Tag“ zu erzählen. Mit der
temperamentvollen Polka „Rivkele“ und dem bandeigenen „Chotsch Song“ sollte das
Klezmer-Konzert eigentlich zu Ende sein. Aber da hatten die Musiker ihre Rechnung
ohne das begeisterte Publikum gemacht: Das verlangte noch Zugaben und bekam
deren zwei. Dann aber war trotz anhaltendem Beifall endgültig Schluss.